Carlo Keep Swingin'
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Pressestimmen

„Ein musikhistorisch wichtiges Filmportrait.“ - Dietrich Schlegel, nmz - neue musikzeitung



„...weil er mit einer geradezu pointillistischen Schnitttechnik die improvisatorisch-assoziativen Strukturen des Jazz aufgreift. ... viel Beifall für das außergewöhnliche dokumentarische Werk.“ - Wolfgang Sandner, Frankfurter Allgemeine Zeitung



„Ein intimes Bild eines Wegbereiters des Jazz in Frankfurt.“ - Ufert Goeman, Jazzpodium



„Die Geschichte des deutschen Jazz hat mit „Carlo, Keep Swingin“ eines der bisher besten Dokumente erhalten.“ - Hans-Jürgen Lenhart, musik an sich



Synopsis ein Film von Elizabeth Ok

„Deutschland ist eine Unfall“, erinnert sich Anita Honis Bohländer. Die Jazzsängerin kommt 1964 von New York / Harlem nach Frankfurt. Im Jazzkeller begegnet sie einem Mann mit runder schwarzer Brille der nicht wie ein Musiker aussieht, sondern eher wie ein Professor. Sie verliebt sich sofort in ihn, heiratet und bleibt in Frankfurt.

Im Nachkriegsdeutschland existiert im zerbombten Frankfurt ein legendärer Untergrundclub. Eine Idee von Carlo. Hier wird richtig gejazzt. Tagsüber ist der Keller ein Proberaum, abends verwandelt er sich in eine nicht enden wollende Jamsession. Die Atmosphäre ist atemberaubend. Musiker aus aller Welt finden hier zu improvisierten Jamsessions zusammen. Gagen gibt es hier nicht, dafür aber reichlich Schnaps. Der Club ist bei den konservativen Älteren als „Jazzhölle“ berüchtigt, für die jungen Musiker ist er ein Ort der Freiheit.

In bildhaften und lebendigen Schilderungen erinnern sich die früheren Weggefährten von Carlo Bohländer an den Keller und diese Zeit. Der bekannte Konzertveranstalter Fritz Rau, der viele Rockgrößen nach Deutschland holte und selbst eine sehr enge Bindung zum Jazz hat, würdigt den Musikkenner und Jazztheoretiker Carlo Bohländer und beschreibt die Atmosphäre im Jazzkeller sowie die Nachkriegszeit in eindrucksvollen Bildern.

Saxophonist Gustl Mayer lässt den Vollblutmusiker Bohländer zu Wort kommen und beschwört das Nachkriegs-Frankfurt, das nicht nur als Wohlstandskind, sondern vielmehr als weltoffene und sehr moderne Metropole erscheint. Nach und nach fügen sich die Aussagen der verschiedenen Zeitzeugen, darunter Paul Kuhn, Bill Ramsey, Keith Copeland, Werner Wunderlich (Veranstalter der Open-Air-Konzertreihe „Jazz im Palmengarten“), Dusko Goykovich (weltweit bekannter serbischer Trompeter), Günter Lenz (deutscher Jazzbassist und –komponist aus Frankfurt) u. v. a. zu einem berückenden Puzzle zusammen, begleitet immer von bekannten Jazz- und Swingmelodien. Dazu gesellen sich Ansichten der modernen Mainmetropole, deren heutige Skyline unter wolkenverhangenem Himmel so trefflich zur silbernen Melancholie der Jazzmusik passen will wie sonst vielleicht nur Manhattan.

Der Film ist ein farbiges Porträt über einen außergewöhnlichen und vielschichtigen Menschen, mit Genie, Witz und einem unglaublichen Enthusiasmus, der alle ansteckte. Eine komplizierte und berührende Liebesgeschichte eines für die damalige Zeit sehr ungewöhnlichen Paares. Und eine Hymne an die Musik der Freiheit nach der bedrückenden und schmerzvollen Erfahrung des Nationalsozialismus. Der Jazzkeller, der Swing, der Jazz und Carlo Bohländer bauten Brücken zwischen den Nationen und machten es möglich, dass die Welt in Frankfurt wieder zusammenfand, wenigstens für eine Jamsession lang.

Der Film macht deutlich, wie der Enthusiasmus und die Musik es schafften, scheinbar mühelos Grenzen zu überwinden und Menschen zusammenzubringen. Diese Botschaft scheint auch über Zeiten hinaus Gültigkeit zu bewahren – getreu dem Motto: „Keep Swingin’“.

Alles begann im Keller – von der Inspiration zur Realisierung des Films

Im Jahr 2008 bezog die Regisseurin, Filmproduzentin und ausgebildete Sängerin Elizabeth Ok eine kleine Wohnung am Frankfurter Mainkai 6. Sie war ihr von ihrer Freundin, der Betreiberin der Musikkneipe Balalaika, vermittelt worden. Beim Einzug in ihre neuen vier Wände besichtigte Elizabeth Ok schließlich auch den Keller und glaubte ihren Augen nicht zu trauen: Der kleine Gewölberaum war angefüllt mit Korrespondenzen, persönlichen Gegenständen, eine alte Klarinette, Zeitdokumenten, Fotos, Schallplatten, original Notenblätter u.v.m. Elizabeth Ok begann zu lesen und entdeckte Namen wie Chet Baker, Lee Konitz, Jutta Hipp, Dusko Goykovich, Bill Ramsey, Albert Mangelsdorff u.v.a. Sie wühlte in dem Material und begriff allmählich, dass sie einen kostbaren unschätzbaren Fund gemacht hatte. Das Instrument und all die anderen Gegenstände waren die Hinterlassenschaften von Carlo Bohländer, einer der besten deutschen Jazztrompeter und Jazztheoretiker in den 50er Jahren und Begründer des Frankfurter Jazzkellers.

Nach Sichtung des Materials, konnte Elizabeth Ok nicht mehr einfach die Türe verschließen und so tun, als wäre nichts da. Dazu war der Fund zu überwältigend und einnehmend. Die ersten Filmszenen spielten sich vor ihrem geistigen Auge bereits ab: Musiker aus aller Welt fanden über die Jazz und Swingmelodien im nächtlichen Keller zu Jamsessions zusammen.

Sie erbat von Anita Honis Bohländer – denn keine andere war die Betreiberin der Balalaika – die Erlaubnis, mit dem Material zu arbeiten, knüpfte Kontakte mit Zeitgenossen und der damaligen Stammbesetzung des „Domicile du Jazz“, so der anfängliche Name des Jazzkellers nach Pariser Vorbild.

Aus den lebhaften Schilderungen der Zeitzeugen und dem Material aus dem Kellerfund formt sich ein kunstvolles Zeitbild um den Frankfurter Jazztrompter, Theoretiker und Gründer des Jazzkellers Carlo Bohländer. „Carlo, Keep Swingin’“ ist eine fein komponierte und vielschichtige Dokumentation, die den Zuschauer die Möglichkeit gibt, anhand einer faszinierenden Persönlichkeit in die spannende Epoche der Frankfurter Nachkriegszeit und des Jazz einzutauchen. Gleichzeitig wird Carlo Bohländer als prägender Musiker, Theoretiker, Lehrer und Freund ins rechte Licht gerückt.

Zur Jazz-Historie in Frankfurt am Main

In Frankfurt wurde bereits 1928 Jazz am Dr. Hoch’s-Konservatorium unterrichtet, der ungarische Komponist Mátyás Seiber leitete die Kurse, bis die Nationalsozialisten dem 1933 ein Ende bereiteten. Carlo Bohländer, 1919 in der Mainmetropole geboren, studierte dort von 1935 bis 1938 klassische Trompete. Bereits während des Zweiten Weltkrieges 1941 versammelte er Fans und Musiker um sich und gründete gemeinsam mit Horst Lippmann den Hot-Club-Frankfurt, um im Verborgenen den Jazz zu leben. Diese Musik galt zum damaligen Zeitpunkt offiziell als Negermusik oder entartete Musik. Es brauchte Mut und eine gute Portion Enthusiasmus, diese Musik zu spielen.

Die Anatomie des Swing – so lautet der Titel von Bohländers zum damaligen Zeitpunkt einzigartiger musikwissenschaftlicher Abhandlung – war für viele seiner Wegbegleiter wie Emil und Albert Mangelsdorff, Günther Lenz, Gustl Mayr u.v.a. eine unverzichtbare Lektüre. Er und seine Zeitgenossen beugten sich nicht vor dem Naziregime. Sie standen mutig für ihre Ideale ein, trotz der Gefahr, der sie während des Regimes, selbst in der eigenen Nachbarschaft, ausgesetzt waren. „Die Musik hat uns das Gefühl der Freiheit vermittelt. (...) Den Gleichschritt wollten wir ablegen“, formulieren es zwei Zeitzeugen treffend.

Das Domicile du Jazz oder der Keller, wie er fortan genannt wurde, diente tagsüber als einfacher Proberaum, nachts aber verwandelte er sich in die verrauchte und inspirierende Keimzelle des Jazz in Deutschland. Hier wurde echter Jazz gespielt und nicht `deutsche Schlagermusik wie in den gängigen Frankfurter GI-Clubs. Das Gewölbe wurde zum Dreh- und Angelpunkt für weltweit berühmte Jazzgrößen aus Übersee und Deutschland wie Keith Copeland, Duke Ellington, Ella Fitzgerald, Dizzy Gillespie, Paul Kuhn, Bill Ramsey und sogar Louis Armstrong. Auf keiner Bühne traten so viele legendäre Jazzmusiker auf wie dort. Und im Zentrum des Geschehens stand der Trompeter und Jazztheoretiker Carlo Bohländer. Er inspirierte und beeinflusste durch sein Wirken Dusko Goykovich, Emil und Albert Mangelsdorff und viele andere Musiker.

Szenenbilder Carlo Keep Swingin'
Cast & Crew  Carlo Keep Swingin'
Interviewpartner  Carlo Keep Swingin'
Anita Honis Bohländer - Jazz-Sängerin, Betreiberin der Jazz-Bar Balalaika in Frankfurt Sachsenhausen.

Rudi Bläsing - Bassist bei den Swingstars.

Keith Copeland - geb. 1946 in New York City, † 2015 in Frankfurt am Main, Jazz-Schlagzeuger und Professor für Jazz-Schlagzeug an der Hochschule für Musik Köln.

Willi Geipel - geb. 1930, † 2011 in Frankfurt am Main, einer der Mitbegründer des Frankfurter Jazzkellers und sein langjähriger Wirt und Betreiber.

Dusko Goykovich - geb. 1931 in Bosnien-Herzegowina, serbischer Jazztrompeter und –flügelhornist. Er studierte an der Belgrader Musik Akademie und kam in den fünfziger Jahren nach Frankfurt.

Eugen Hahn - seit 1986 Chef des Frankfurter Jazzkellers.

Paul Kuhn - geb.1928 in Wiesbaden, † 2013 in Bad Wildungen, einer der populärsten deutschen Pianisten der Nachkriegszeit, außerdem Bandleader und Sänger.

Günter Lenz - geb. 1938 in Frankfurt am Main, deutscher Jazzbassist und –komponist.

Gustl Mayer - geb.1936 in Frankfurt am Main, deutscher Jazzmusiker (Klarinette, Tenorsaxophon) und Redakteur.

Wilson de Oliveira - Tenorsaxophon-Spieler in der HR Bigband.

Bill Ramsey - geb. 1931 in Cincinnati, Ohio, deutsch- amerikanischer Blues-, Jazz- und Schlager-Sänger.

Fritz Rau - geb. 1930 in Pforzheim; † 2013 in Kronberg im Taunus, Hessen, deutscher Konzert- und Tourneeveranstalter Veranstaltungsmanager. Er brachte erstmals internationale Stars wie die Rolling Stones nach Deutschland.

Michael Rieth - geb. 1944 in Schloß Bauschlott; † 2014 in Frankfurt am Main langjähriger Musikjournalist für die Frankfurter Rundschau den Themen Jazz, Blues, Folk und Rock.

Ernst Rupprath - Trompeter und Flügelhornist beim Frankfurter Jazz- Swingtett Jumping Daddies.

Werner Wunderlich - geb.1926 in Minden; † 2013 in Baden-Baden , deutscher Jazzjournalist und Hörfunkmoderator.

Peter Reiter - Tenorsaxophon – Mitglied der hr-Bigband.
Produktionsstab  Carlo Keep Swingin'
Regie & Drehbuch
Elizabeth Ok

Schnitt
Susann Maria Hempel

Kamera
Stefan Neudeck
Josef Åkebrand
Stefan Wachner
Lars Ziegenhain

1.Kameraassistenz
Sabine Panossian

2.Kameraassistenz
Julia Maria Repke

Ton
Josef Åkebrand

Tonassistenz
Alex Kuckuck, Dirk Sommer

Tontechniker Konzert
Folker Seipelt

Produktion
Ok & Stock Filmproduktion UG
Elizabeth Ok & Oliver Stock

Animation
Anja Grosswig

Schnitt Postproduktion
Cornelia Albrecht
Eva Höppner

Schnitt Prolog
Jonas Weber Herrera

Farbbearbeitung
Marc Lontzek

Sound Design
Rainer Speidel

5.1 Output
Benjamin Krbetschek

Grafik Design
Oliver Stock
News
  • 13
    Feb
    2014

    Ausstellung des Nachlass von Carlo Bohländer im Historischen Museum Frankfurt.

  • 10
    Okt
    2014

    Carlo Keep Swingin' ist zum Hessischen Filmpreis 2014 in der Kategorie "Bester Dokumentarfilm" nominiert.

  • 18
    März
    2015

    Carlo Keep Swingin' feiert auf dem 8. Lichter Filmfest Deutschlandpremiere mit anschließendem Jazzkonzert.

  • 22
    März
    2015

    Carlo Keep Swingin' gewinnt auf dem 8. Lichter Filmfest den Binding Publikumspreis.

  • Sommer
    2015

    Carlo Keep Swingin' erhält das Prädikat "besonders wertvoll" der Deutschen Film- und Medienbewertung.





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